Altersvorsorgedepot 2027: Was jetzt wichtig ist

Altersvorsorgedepot 2027: Was jetzt wichtig ist

Veröffentlicht am Donnerstag, 17. September 2026

Mehr Kapitalmarkt, neue Fördermöglichkeiten und mehr Flexibilität – was die Reform der privaten Altersvorsorge für Mandantinnen und Mandanten bedeutet.

Die private Altersvorsorge in Deutschland soll sich ab 2027 grundlegend verändern. Mit dem neuen Altersvorsorgedepot soll erstmals ein gefördertes Vorsorgeprodukt möglich werden, das ohne klassische Beitragsgarantie auskommt und damit stärker am Kapitalmarkt investieren kann. Für viele Sparerinnen und Sparer klingt das zunächst attraktiv.
Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten, aber auch neue Fragen:

  • Wie viel sollte investiert werden?
  • Wie funktioniert die Förderung?
  • Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
  • Und ist das neue Depot tatsächlich die bessere Lösung für die eigene finanzielle Situation?
  • Genau diese Fragen sind entscheidend.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das neue Altersvorsorgedepot soll eine renditeorientierte Alternative innerhalb der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge werden. Anders als bei klassischen Garantieprodukten muss das eingezahlte Kapital nicht vollständig garantiert werden. Dadurch können stärker chancenorientierte Anlagen wie Fonds und ETFs eingesetzt werden. Gleichzeitig bleibt die steuerliche Förderung erhalten: Während der Ansparphase werden die Erträge grundsätzlich nicht besteuert, die Besteuerung erfolgt später in der Auszahlungsphase. Damit entsteht ein interessanter neuer Baustein zwischen klassischer Altersvorsorge und freiem Vermögensaufbau. Doch ein neues Produkt bedeutet nicht automatisch eine neue Lösung für jeden.

Wie viel sollte investiert werden?

Besonders interessant ist die neue Förderstruktur. Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr beträgt die Grundzulage 50 Prozent. Für weitere Beiträge bis insgesamt 1.800 Euro pro Jahr gibt es 25 Prozent Grundzulage. Damit sind maximal 540 Euro Grundzulage pro Jahr möglich. Für Kinder kommen unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Zulagen hinzu.

Eigenbeitrag pro Jahr Grundzulage

  • 360 € – 180 €
  • 1.000 € – 340 €
  • 1.800 € – 540 €
  • 3.000 € – 540 €
  • 6.840 € – 540 €

Denn: Ein Altersvorsorgevertrag kann mit bis zu 6.840 Euro pro Jahr bespart werden. Gefördert werden davon jedoch nur Eigenbeiträge bis 1.800 Euro zuzüglich der entsprechenden Zulagen. Beiträge oberhalb dieser Grenze erhalten keine zusätzliche Grundzulage. Sie können aber innerhalb des Vertrags weiterhin steuerlich beziehungsweise in der Ansparphase aufgrund der dort vorgesehenen Steuerfreistellung relevant sein. Für die spätere Besteuerung wird zwischen geförderten und nicht geförderten Beiträgen unterschieden.Das macht die Frage nach der richtigen Beitragshöhe besonders interessant. Denn nur weil 6.840 Euro eingezahlt werden können, müssen nicht automatisch 6.840 Euro eingezahlt werden. Ob ein höherer Beitrag sinnvoll ist, sollte immer im Zusammenhang mit dem gesamten Vermögensaufbau betrachtet werden.

Ein Vertrag oder zwei?

Grundsätzlich können künftig bis zu zwei neue Altersvorsorgeverträge gleichzeitig bespart werden. Daneben kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein bestehender Riester-Vertrag weitergeführt werden. Damit können unterschiedliche Lösungen miteinander kombiniert werden. Die staatliche Förderung verdoppelt sich dadurch allerdings nicht. Die maximale Grundzulage von 540 Euro bezieht sich auf die geförderten Eigenbeiträge insgesamt. Wer zwei Verträge nutzt, muss die förderfähigen Beiträge entsprechend aufteilen. Zwei Verträge sind deshalb nicht automatisch besser als einer. Entscheidend ist vielmehr, ob unterschiedliche Anbieter, Anlagestrategien oder Kostenstrukturen einen tatsächlichen Mehrwert bieten.

Für wen kann das interessant sein?

Die Reform erweitert den Kreis der grundsätzlich Förderberechtigten. Künftig sollen unter anderem auch bestimmte Selbstständige und Pflichtmitglieder in berufsständischen Versorgungseinrichtungen unmittelbar förderberechtigt sein. Damit wird das neue System auch für viele Freiberufler interessant – beispielsweise für Ärztinnen und Ärzte. Doch auch hier gilt: Die Frage ist nicht nur, ob ein Altersvorsorgedepot genutzt werden kann. Die wichtigere Frage lautet, welche Rolle es im persönlichen Finanzplan spielen soll. Für den einen kann es sinnvoll sein, die staatliche Förderung gezielt auszuschöpfen. Für den anderen kann ein höherer Betrag außerhalb des geförderten Systems flexibler und damit sinnvoller sein.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Die neuen Produkte sollen ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass am ersten Tag des Jahres eine Entscheidung getroffen werden muss. Im Gegenteil: Gerade zu Beginn wird es darauf ankommen, welche Anbieter tatsächlich welche Produkte auf den Markt bringen, welche Kosten entstehen und welche Anlagemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Auch das günstigste Produkt muss nicht automatisch das beste sein.

Entscheidend ist das Gesamtbild aus Kosten, Anlagekonzept, Flexibilität, Förderung und späterer Auszahlung.

Auch bei der Förderung besteht innerhalb des Jahres kein Zeitdruck: Entscheidend ist grundsätzlich der im jeweiligen Beitragsjahr geleistete Eigenbeitrag. Wer sich also erst später für ein Altersvorsorgedepot entscheidet, kann den förderfähigen Beitrag grundsätzlich auch später im Jahr leisten – theoretisch sogar erst im Dezember, sofern die persönlichen Fördervoraussetzungen und die konkrete Produktgestaltung passen. Deshalb kann es sinnvoll sein, zunächst die ersten konkreten Angebote abzuwarten und miteinander zu vergleichen.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Für bestehende Riester-Verträge gilt grundsätzlich Bestandsschutz. Sie können unter den bisherigen Bedingungen weitergeführt werden. Gleichzeitig besteht künftig die Möglichkeit, in die neue Förderwelt zu wechseln beziehungsweise bestehendes Riester-Vermögen in ein Altersvorsorgedepot zu übertragen. Dabei können Kosten entstehen und bereits gefördertes Vermögen kann im Übertragungsjahr nicht erneut gefördert werden.

Deshalb sollte ein bestehender Riester-Vertrag jetzt nicht vorschnell gekündigt werden.

Erst wenn konkrete neue Produkte verfügbar sind, lässt sich sinnvoll vergleichen:

  • Was kostet der bestehende Vertrag?
  • Welche Garantien und Leistungen bietet er?
  • Welche Renditechancen bestehen?
  • Welche Kosten entstehen bei einem Wechsel?
  • Und welche Lösung passt besser zur persönlichen Finanzplanung?

Wie wird aus Vermögen später Einkommen?

Auch bei der Auszahlung verändert sich einiges. Künftig soll neben einer lebenslangen Leibrente auch ein befristeter Auszahlungsplan möglich sein, der mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr läuft. Noch nicht ausgezahltes Vermögen kann bei einem solchen Auszahlungsplan grundsätzlich vererbbar sein. Damit wird die Auszahlungsphase flexibler. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Bestandteil der Entscheidung: Ein Altersvorsorgedepot sollte nicht nur danach beurteilt werden, wie viel Vermögen während der Ansparphase entstehen könnte, sondern auch danach, wie dieses Vermögen später in Einkommen übersetzt werden kann. Denn am Ende geht es nicht um ein möglichst großes Depot.

Es geht um finanzielle Sicherheit und die Frage, welchen Lebensstandard dieses Vermögen im Alter ermöglichen soll.

Unser Zwischenfazit: Noch nicht vorschnell handeln

Das neue Altersvorsorgedepot bringt aus unserer Sicht interessante Veränderungen. Mehr Kapitalmarktorientierung, eine neue Förderstruktur und flexiblere Auszahlungsmodelle können die private Altersvorsorge attraktiver machen. Gleichzeitig wird die Auswahl komplexer, weil sich unterschiedliche Produkte und Anlagestrategien miteinander vergleichen lassen müssen.
Deshalb lautet unsere Empfehlung derzeit:

Informieren: ja.
Vergleichen: unbedingt.
Rechnen: auf jeden Fall.
Vorschnell abschließen: nein.

Gerade bei bestehenden Riester-Verträgen besteht kein Anlass für übereilte Entscheidungen. Der Bestandsschutz bleibt bestehen, und die neue Produktwelt muss sich zunächst mit konkreten Angeboten beweisen.

Was wir uns genauer ansehen werden: WMFO-Webinar geplant

Sobald die ersten konkreten Produkte verfügbar und vergleichbar sind, möchten wir die wichtigsten Fragen gemeinsam betrachten.
In einem geplanten Webinar werden wir unter anderem darauf eingehen,

  • wie sich 1.800 Euro und höhere Beiträge bis 6.840 Euro auswirken,
  • wann ein oder zwei Altersvorsorgeverträge sinnvoll sein können,
  • wie sich ein Altersvorsorgedepot gegenüber einem normalen ETF-Depot einordnet,
  • welche Anbieter und Kostenstrukturen interessant sind,
  • wie die verschiedenen Auszahlungsmodelle funktionieren,
  • wie die Besteuerung in der Auszahlungsphase aussieht,
  • was bei bestehenden Riester-Verträgen zu beachten ist,
  • und unter welchen Voraussetzungen Vermögen später vererbt werden kann.

Sobald die Details feststehen und sich die ersten Produkte tatsächlich vergleichen lassen, informieren wir über den Termin.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot kann ein interessanter neuer Baustein der privaten Altersvorsorge werden. Es schafft mehr Möglichkeiten, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit einer individuellen Planung.
Denn die entscheidende Frage lautet nicht: „Wie viel kann ich einzahlen?“
Sondern: „Welche Lösung passt zu meinem gesamten Vermögen, meinen Zielen und meinem Leben?“
Deshalb gilt für die kommenden Monate: informieren, rechnen, vergleichen – und dann entscheiden.

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